Inselgeschichten
Eindrücke vom Leben auf der Insel Kythera
Show MenuHide Menu

Die Tränen

Februar 27, 2013


Geschrieben im Februar 2010
Am 22. 2. 2010 titelte das Magazin „Fokus“ mit „Betrüger in der Euro -Familie“ und
zeigte die Liebesgöttin Aphrodite mit dem „Stinkefinger“ (der rechten Hand erhoben, zur Faust geballt, nur der Mittelfinger reckt sich in die Höhe).
Ein Beispiel von einer unerträglichen Diffamierungskampagne der Presse, die zu einem regelrechten Schlagabtausch zwischen den Boulevard Blättern in Deutschland und in Griechenland führte bzw. immer noch führt. Bevölkerungsgruppen, die am meisten unter dem kapitalistischen System zu leiden haben, haben sich in den verschiedenen Staaten gegeneinander auf hetzen lassen.
Grundsätzliche Systemfragen bleiben in der breiten Diskussion aussen vor.
Die meisten Griechen stehen ihrem politischen System sehr kritisch gegenüber und wissen, dass es grundsätzliche, strukturelle Änderungen braucht. Die Beschimpfung von „aussen“ haben internen kritischen Stimmen eher geschadet und eher nationalistischen Bestrebungen Auftrieb gegeben.

Ich kenne sie schon fast 12 Jahre.

Klug, taff,
fast etwas zu cool.
Sie hat es im Griff, weiss, was sie will.
Immer wieder hat sie versucht sich gegen die alte Männergilde auf der Insel durchzusetzen.
Was hat sie geschimpft gegen die Bestechlichkeit, die Dummheit, das Chaos und das fehlende Recht!
Kämpferisch und mit klarem Sachverstand!

Jetzt spreche ich mit ihr über die Krise.

Es geht um immer mehr Menschen,
die -nicht nur in Athen- im Abfall nach Essbarem suchen.
Die Menschen, die sich und ihre Armut verschämt verstecken.
Die Fragen der Kinder, die nicht mehr zu beantworten sind
und ihre Angst als Mutter, die ihre Tochter und ihren Sohn ohne Perspektive in die Zukunft entlassen soll.

Das Land sei am Boden.
Die Forderungen absurd!
Es sei nichts mehr zu holen.

Und dann weint sie und hört fast nicht mehr auf.
„ Sie sollen uns doch endlich Bankrott gehen lassen.
Und vor allen Dingen:
Hört auf uns und unser Land zu demütigen!“