Inselgeschichten
Eindrücke vom Leben auf der Insel Kythera
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Näher am Paradies

Februar 26, 2013

Geschrieben im Sommer 2010.
Der Sommer in dem das 2. „Sparpaket“ im Parlament durchgeboxt wurde.

Die Swiss aus Zürich landet 5 Minuten früher als angesagt.
Der erste Koffer, so zeigt es die Anzeige, liegt um 13.31 auf dem Gepäckband.
Der Bus Nr. 96 nach Piräus fährt auf die Sekunde genau um 13. 45 ab.
Perfekt!
Es ist heiss. Griechenland im Sommer! So soll es sein! Heiss.
Nicht so, wie vor ungefähr 7 Wochen, als wir schlotternd und durchnässt bei Windstärke 8 am Hafen standen und auf die Fähre warteten.

Heute scheint in Athen der Asphalt zu schmelzen.
So ist das im Sommer. Immer noch.

Der Bus ruckelt über die Strasse.
Mir fallen bald die Augen zu.
Wie früher die Kinder, die bei der langen Fahrt über die Peloponnese ihre Müdigkeit vertreiben wollten, indem sie die kleinen Trauerhäuschen am Strassenrand zählten, bleibt mein Blick bei den Schildern „POLITI“ hängen.
Ich zähle……..zu verkaufen…..zu vermieten….
Nach einigen Strassenzügen bin ich bei 50 und höre erschrocken auf.

Meine Fähre liegt schon im Hafen.
Um 18.00 geht es los.
Endlich!

Es wimmelt vor kleinen und grösseren Fähren, Yachten, Tanker, Luxusschiffen. Sogar die Aida liegt vor Anker.
Auf dem Deck „meiner“ klapprigen „V. Kornaros“ spielen Kinder mit einem ziemlich aufgekratzten kleinen Hund. Eine Wandergruppe packt ihr Picknick aus. Einige verliebte Pärchen schmusen vor der untergehenden Sonne und lassen sich von netten Mitreisenden für die Ewigkeit fotografieren.
Die Hügelkette der Peloponnes verwandelt sich in der Abendsonne in eine purpurfarbene, fast unwirklich erscheinende Bühne.
Eigentlich viel zu kitschig und umwerfend schön!

Klar, dass der Nachrichtensprecher im Bord-TV mit keinem Blick gewürdigt wird,
auch wenn die eingespielten turbulenten Szenen aus dem Parlament und vom Syntagma in kurzen Abständen und mit Zoom wiederholt werden. Immer wieder!

Hier und jetzt sind wir dem Paradies deutlich näher als dem Untergang!
Doxa to theo! Gott sei Dank!