Inselgeschichten
Eindrücke vom Leben auf der Insel Kythera
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Eine Frauengeschichte

Februar 1, 2014

Ob SIE (!) es ist? Wirklich?

Aber dann kommt die Hektik auf, am Security Check….. Jacke aus, Handy und Geld in die Kiste! „Ja, kommen Sie…..nein!!”. Es piepst. Wieder zurück, Gürtel aus, PC öffnen

…..und sie ist nicht mehr da.

Aber jetzt. Unglaublich.

Sie ist an Bord, und sie setzt sich auf den freien Platz! Neben mir!

Haris?

Der Mund, ihr Lächeln, ihre Augen, die Haare. Sie sieht ihr unglaublich ähnlich! Aber nicht wie Haris auf der Bühne, (dort ist sie immer noch eine beeindruckend attraktive Frau, aber doch schon älter und rundlicher) sondern meine Sitznachbarin sieht so aus wie Haris Alexiou auf den Plattencovern, jung und mit einer unerhört anziehenden Ausstrahlung.  Wie meine Lieblingssängerin!!

Sie spricht mich an! Plaudert im perfekten Deutsch über die Schweiz, über ihre Freundin in Zürich, die Rechtsanwältin ohne Familie, die sie jeden Sommer besuchen kommt. Ja, sie komme von Andros, habe dort einen Schmuckladen, sogar zwei. Einen am Hafen und einen in der Chora. Wir kommen auf die Krise, die fehlenden Einnahmen, die Politiker, die alle im Ausland studiert hätten und von dort geprägt wären.

Nein, sie fliege nicht zu ihrer Freundin, sondern von Zürich aus weiter nach Brüssel. Dort würde ihr Sohn Medizin studieren. Es sei nicht einfach für ihn. Die fremde Stadt, so allein und die schwere Sprache.

Plötzlich wird sie still, wirkt unendlich traurig.

Er sei krank geworden. Habe nach Weihnachten nicht mehr nach Brüssel zurück gekonnt. Nein, die Ärzte wüssten nicht, was er habe. Er sei auch nicht ehrlich. Ob Drogen im Spiel sind? Er sei jung, 18. Hoffnungslos von seinem Vater verwöhnt. Sie wisse gar nicht wie viel Geld er ihm immer wieder zustecke. Und das in diesen Zeiten. Der Laden würde nur noch Kosten verursachen und nichts mehr einbringen. Vater und Sohn machten sich über sie lustig. Es würde ihr zu viel. Eigentlich könne sie nicht mehr.

Jetzt sprudelt es aus ihr heraus.

Sie sei immer die Aufräumerin. Müsse alles immer gerade biegen. Jetzt sei sie unterwegs mit drei leeren Koffern, um die Wohnung des Sohnes aufzuräumen, zu putzen und aufzulösen. 1000 Euro im Monat, im Zentrum! Wie sollten sie das bezahlen.

Er müsse jetzt erst einmal wieder gesund werden. Das sei das Wichtigste.

Ob er weiter studieren könne?

Sie glaube nicht, dass er wieder zurück gehe. Die beiden Männer machten sich was vor!

Wir landen.

Sie wird sich in Brüssel kein Taxi nehmen. Sie wird mit den leeren Koffern in der letzten U-Bahn sitzen.

Sie wird den Dreck des Sohnes weg kratzen, wahrscheinlich Berge von Wäsche waschen und sich mit dem Vermieter herumschlagen. Sie wird versuchen, den Studienplatz noch zu reservieren und wird wegen den Studiengebühren verhandeln wollen.

Sie wird sich keinen Stopp – over in Zürich leisten, um mit der Freundin eine kleine Auszeit zu haben. Sie muss zurück.

Aufräumen.