Inselgeschichten
Eindrücke vom Leben auf der Insel Kythera
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Weltuntergang im Januar

Februar 1, 2014

 

Ich erschrecke über die Wassermassen, die unseren kleinen Weg in Sekunden zum reissenden Fluss werden lassen.

Der Weg verschwindet im Nebel, wie die Umrisse unserer Nachbarschaft. Der Regen prasselt dröhnend auf`s Dach. Dieser Januarmorgen verbreitet Weltuntergangstimmung. In den Sekunden, an denen ich an den Halterungen der Fensterläden fingere, um sie zu schliessen – das Wasser dringst sonst ein – werde ich tropfnass.

 

Schwarze Wolkenwände, schieben sich drohend auf das Haus zu. Mitten am Tag wird es dunkel. Die Elektrizität lässt unsere Glühbirne noch einmal kurz flackern, dann ist der Strom unterbrochen. Der Wind pfeift drohend durch den Kamin.

 

Mein Flieger geht morgen. Ob ich vorsichtshalber heute das Schiff nehmen soll?

 

Heute um fünf? Ob das fährt? Das Telefon schweigt. Klar!

 

Runter zum Auto. Kein Mensch auf der Strasse. Im Reisebüro sollte jemand sein.

Der Wagen drängt die Wassermassen auf die Seite und knallt ab und zu hart in die jetzt unsichtbaren Schlaglöcher. Plastikfetzen fliegen durch die Luft und bleiben am Scheibenwischer hängen.

Im Büro ist keiner! Der Fahrplan an der Tür gilt bis zum Oktober letzten Jahres. Ob jemals wieder auf dieser Insel ein Schiff anlegt oder gar ein Flugzeug landet?

 

Auf dem Weg zurück ins Haus reisst der Himmel auf. Die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht. Im Osten ist der Himmel blau.

 

Avlemonas liegt wohl in der Sonne.

 

Vielleicht doch einfach einen Ouzo und einen Fisch. Mal schauen, wie es morgen wird.